Anthony schraubt an der Distanz
Anthony schraubt an der Distanz
29.06.2026
Der Tübinger Anthony Tomsich hatte sich dem Halbmarathon verschrieben, jetzt freut er sich auf den Zehner - und das Plus an Freizeit.
Manchmal ist es ganz einfach. „Ich bin älter geworden“, erzählt Anthony Tomsich nichts wirklich Neues. Jede und jeder spürt das tagtäglich am eigenen Leib. Da geht es einem Lauf-Enthusiasten nicht anders: 39 Jahre alt ist der Läufer der LAV Stadtwerke Tübingen, und verkündet stolz, dass im nächsten Jahr dann ja der große Altersklassensprung anstehe. An dieser Stelle musste man ihn natürlich darauf hinweisen, dass das Erreichen des Schwabenalters den angenehmen Nebeneffekt habe, dass „d‘r Schwob dann gscheid werde“. Wie immer bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Anthony Tomsich hat gelacht, will das aber nicht für sich reklamieren. Er ist zwar schon lange in Tübingen, aber eben kein Schwabe. Wie es sich dann verhält, werden wir zu gegebener Zeit abfragen.
Das Freibad lockt
Der aktuell 39-Jährige sah für sich einfach die Zeit gekommen, das Pensum zu reduzieren. „Ich habe weder die Zeit noch die Energie, weiterhin so viel zu trainieren“, macht Tomsich klar, der im vergangenen Jahr zum zweiten Mal Papa geworden ist. Da verschieben sich die Prioritäten ohnehin. Der Nachwuchs gedeiht prächtig. Gesund, munter und immer hungrig sei er. Und am 12. Juli ist ein ganz besonderer Tag für das jüngste Familienmitglied. „Da wird er genau zehn Monate alt“, verrät der Papa. Demzufolge wird es die erste Teilnahme am Ermstal-Marathon. Zusammen mit der Mama und dem großen Bruder wird unterwegs supportet, wenn Tomsich senior vorbeirennt. Und danach geht es gemeinsam in das Höhenfreibad nach Bad Urach. „Das wird ein schöner Ausflugstag“, freut sich Anthony. Auch deshalb macht das Downgrade durchaus Sinn. Er ist schneller wieder bei der Familie. Zudem liefert es den perfekten Grund, es beim Zehner rollen zu lassen.
Dritter im Vorjahr
Im vergangenen Jahr war die Meldung eigentlich für den Halbmarathon rausgegangen. Kurzfristig hat sich der Tübinger umentschieden, weil er sich für knapp über 21 Kilometer nicht fit genug fühlte. Das hinderte Tomsich aber nicht daran, bergab von Bad Urach nach Metzingen mal so richtig auf die Tube zu drücken. Dominik Notz hat in neuem Streckenrekord (30:30) gewonnen, Silvan Rauscher hätte den alten auch noch unterboten (30:41), dann folgte schon der Mann, der nach eigenem Bekunden älter geworden ist. 32:49 sind immer noch eine richtige Hausnummer. Wer in diesem Jahr dabei ist, ist Anthony Tomsich gar nicht so wichtig, kann ohnehin noch nicht abschließend geklärt werden, weil das Portal noch geöffnet hat. Spaß haben will der 39-Jährige. Abwärts geht es, und genau das sei das Schöne daran. Anthony Tomsich mag den Ermstal-Marathon sehr. Den Spitzberglauf im Übrigen auch. Den hat er am vergangenen Wochenende gewonnen – und dort geht es weniger bergab. „Ein Start bei 34 Grad ist schon herausfordernd“, blickt der Sieger zurück, der fast zeitgleich mit Valentin Steib ins Ziel kam. Ganz so heiß ist es im Ermstal beim Start sicher nicht, Prognosen besagen, dass aber niemand frieren wird. Ohne Training wäre so etwas wie beim Spitzberglauf natürlich nicht möglich. Anthony Tomsich ist regelmäßig unterwegs, kümmert sich zum Beispiel bei der LAV um eine Trainingsgruppe, bei der der Spaß am Laufen im Vordergrund steht – nicht die Zeiten. Und einige von ihnen werden auch im Ermstal ihren Spaß haben. So wie der Coach selbst. (Wolfgang Seitz/SWP)