Ein Freund der Berge und des Ermstals
Ein Freund der Berge und des Ermstals
19.06.2026
Dominik Notz hat am Wochenende überlegen den Hohenneuffen-Berglauf gewonnen und auch beim Ermstal-Marathon am 12. Juli viel vor.
Das war mal wieder ein gelungenes „Fast-Heimspiel“ für den Dettinger Dominik Notz beim Hohenneuffen-Berglauf, der gleichzeitig als Baden-Württembergische Trailrun-Meisterschaft firmierte. Er konnte es am Sonntag kaum erwarten, in den Burghof zu stürmen. „Das ist eine sehr schöne Strecke mit einem grandiosen Finale“, schwärmt der Läufer der LAV Stadtwerke Tübingen. Und dann passte auch noch der Faktor, der bei Sportveranstaltungen nicht planbar ist. „Da ist immer schönes Wetter, wenn ich dort starte“, freute sich der Läufer. Umso schöner deshalb der gigantische Ausblick nach getaner Laufarbeit.
Die war für Dominik Notz schon nach 36:30 Minuten erledigt. Das ist für 9,3 Kilometer, in denen es vom Bahnhof in Linsenhofen aus praktisch stetig bergauf geht, sehr rasant. In respektvollem Abstand folgte Pascal Nothacker (VfL Ostelsheim), der nach 39:20 Minuten den Ausblick genießen konnte. Jeder Finisherin und jedem Finisher gebührt absoluter Respekt, trotzdem hat der Sieger auch die Realität im Blick: „Die ganz starke Konkurrenz war nicht mit dabei.“ Das hat seinen Spaß am Rennen aber keineswegs geschmälert. Die starken Konkurrenten sieht er ja sonst oft genug.
Slowenischer Nebel
Vom 5. bis 7. Juni ging Dominik Notz bei den European Off-Road Championships in Kamnik (Slowenien) auf die Strecke. Alles gab es dabei zu erledigen, was sich lauftechnisch abseits fester Pfade abspielt. Bergauf, Trail und Bergauf-Bergab waren im Angebot. Nummer eins und drei nahm der Ermstäler unter die schnellen Beine. Das durfte er aber nur, weil er zuvor einige Rennen, die in die Quali eingeflossen sind, in seinem Sinne gestalten konnte. Platz zwei bei der DM, die im Rahmen des Pleß-Vulkan-Bergtrail ausgetragen wurde, war da ganz vorne. Aus Innsbruck brachte er einen siebten Platz mit nach Hause, beim „Ötzi Trailrun“ in Naturns wurde Notz Sechster. Damit waren die Qualifikationshürden für die EM locker überlaufen.
In Slowenien lief es dann eher mittelprächtig. „Bergauf habe ich mir mehr vorgenommen. Tobias Ulbrich, der dort bester Deutscher wurde, habe ich in der Quali noch geschlagen. Jetzt waren die Bedingungen aber sehr schwierig. Es hat viel geregnet, dann kam auch noch Nebel auf. Ich bin etwas aus dem Rhythmus gekommen.“ Ein „solides Rennen“ wurde für Dominik Notz auf Platz 22 abgewunken. Bergauf-Bergab war dann der bessere der beiden Auftritte – trotz Platz 24 in der Endabrechnung. Eine Woche Urlaub mit der Freundin schloss sich in Slowenien an, ehe es direkt nach Neuffen ging.
Dominik Notz hat seinen Master an der Uni Tübingen abgeschlossen (Biochemie). Zu dem Job bei Ultra Sports kommt nun eine wissenschaftliche Mitarbeit an der Uni. Beides hindert den 32-Jährigen aber nicht, weiter seiner Lauf-Leidenschaft zu frönen. „Ich kann jeden Tag trainieren, sogar zwei Mal.“
Zwei Knaller
Wer so fleißig ist, hat auch immer ein Ziel vor Augen. Hohe Ziele sind es. So der legendäre Berglauf Sierre Zinal im Schweizer Wallis. „Das ist die inoffizielle Berg-WM, ein sehr prestigeträchtiges Rennen, bei dem die gesamte Weltelite am Start ist.“ Man hört Dominik Notz an, dass er sich auf die Strapazen, die am 8. August warten, schon freut. Dann wäre da noch der Jungfrau-Marathon. Dahinter verbirgt sich das, was man zu erahnen glaubt. Ein Marathon im Gebirge, mit schlanken 2000 Höhenmetern. Längst ausgebucht, Dominik Notz ist am 4./5. September dabei.
In diesem Zusammenhang ist es schwer, die Kurve zum Ermstal-Marathon zu bekommen. „Da geht es zunächst ja auch bergauf“, sagt Notz, der die Strecke kennt wie kaum ein Zweiter. Den Einwand mag man angesichts dessen, was demnächst auf den jungen Mann wartet, mit einem Grinsen abtun. Wenn das aber jemand sagt, der vorzugsweise den Zehner rennt, macht es ein bisschen Sinn. Dominik Notz hat im vergangenen Jahr den eigenen Streckenrekord verbessert und in 30:30 Minuten gewonnen. Immer bergab auf der Traumstrecke von Bad Urach aus. Heuer liebäugelt er mit einem Upgrade. „Vom Training her gesehen macht der Halbmarathon mehr Sinn. Deshalb werde ich den wohl laufen.“ Und da geht es von Metzingen aus zunächst eben leicht bergauf. Es liegt Dominik Notz im Laufblut, dass er natürlich nach dem Streckenrekord geguckt hat. 1:08,10 Stunden stehen dort seit dem vergangenen Jahr, als der Australier Arron Nitschke als Überraschungsgast die neue Bestzeit in den Asphalt fräste. „Das ist sehr sportlich“, so Notz anerkennend. Hindert ihn aber sicher nicht, die Sache in Angriff zu nehmen. (Wolfgang Seitz/SWP)