Von der Piste in die Orga
Von der Piste in die Orga
30.06.2026
Corinna Coenning engagiert sich mit Leib und Seele für den Ermstal-Marathon. Mitrennen will sie (vorerst) nicht mehr.
So kann man sich täuschen. Corinna Coenning taucht wieder in den Ergebnislisten auf - weit vorne. „Dann macht sie auch beim Ermstal-Marathon mit“, sagte der Reporter im Gespräch mit dem Veranstalter. „Nein, sicher nicht, weil sie an diesem Tag andere Aufgaben hat“, erwiderte jener. Corinna Coenning hat sich der Leichtathletikabteilung der TuS Metzingen angeschlossen, die nicht unmaßgeblich beim Ermstal-Marathon engagiert ist. Darf sie jetzt aber nicht, will sie nicht, oder kann sie nicht?
Sie will nicht – aber sie könnte
„Da hätte man sicher eine Möglichkeit finden können“, sagt die Läuferin lachend. Schließlich sind ja auch die fünf Kilometer im Angebot, die Corinna Coenning ruckzuck abspulen würde. Sie will nicht – aber sie könnte. Nach einer Achillessehnen-Operation tauchten Komplikationen auf. Die Spitzenläuferin, die bis dahin vornehmlich auf den längeren Strecken unterwegs gewesen war, musste sich komplett rausnehmen. „Ich war keinen einzigen Tag ohne Schmerzen“, verrät die 34-Jährige rückblickend, „hatte aber immer die Absicht, wieder zu laufen.“ Und das tut sie jetzt, allerdings nicht mehr wie früher nur auf der Straße.
„Ich habe keine Trainingspläne mehr, die akribisch abgearbeitet werden müssen“, verrät die Lehrerin. Das hindert sie jedoch nicht, wieder die Rennschuhe zu schnüren. Die Trailgeschichten haben es ihr angetan. „Es ist wunderschön, einfach just for fun auf der Alb in der schönen Natur zu laufen.“ Beweisen müsse sie sich gar nichts mehr: Die Bestzeiten stehen. Warum taucht der Name Coenning dann bei den Ergebnissen nach wie vor ganz vorne auf?
„Trotz der Pause war die Form relativ schnell wieder da. Die Substanz geht ja nicht verloren“, erklärt jene, die zur Genuss-Läuferin geworden ist. Reingepasst hat zum Beispiel der Stadtlauf in Bad Urach. Hat sie gewonnen. Den Berglauf am Hohenneuffen auch. Und den bestreitet man nicht mal eben so aus der kalten Hose. Beim Trailrun Lichtenstein kam sie als Erste ins Ziel, und hat selbstverständlich den Halbmarathon unter die Sohlen genommen.
Das ist landschaftlich sehr reizvoll – aber unheimlich anstrengend. Im Nordschwarzwald ist es ebenfalls schön und bergig. Auch dort wird Corinna Coenning demnächst an der Startlinie stehen.
Sie verpflichtet sich zu nichts mehr, macht nur noch das, was Spaß macht. Im Umkehrschluss nun zu folgern, dass ihr der Ermstal-Marathon keinen Spaß mehr macht, wäre grundfalsch. „Ich freue mich, dass ich bei der TuS im Orga-Team mitarbeiten darf. Da engagiert man sich mit Spaß und Enthusiasmus für den Ermstal-Marathon. Jetzt lerne ich ihn von der anderen Seite kennen, und die ist auch sehr schön.“
Die top-motivierte Mitarbeiterin hat dort im Übrigen im Halbmarathon immer noch den Streckenrekord inne. Aufgestellt 2022 in 1:17,38 Stunden. Beweisen muss sie sich wie gesagt gar nichts mehr. (Wolfgang Seitz/SWP)