Das wird wieder ein ganz heißes Rennen
Das wird wieder ein ganz heißes Rennen
03.07.2026
Für die zehn Kilometer hat ein schnelles Duo gemeldet. Silvan Rauscher hat am 12. Juli viel vor, Lorenz Baum auch.
Silvan Rauscher hat zumindest ein bisschen überlegt. „Ein Halbmarathon wäre auch denkbar gewesen“, sagte der Münsinger. Klar, in Vorbereitung auf den Berlin-Marathon könnte man sich da schon mal Tempohärte besorgen. Das hat der Münsinger aber kürzlich beim Rennen in Sigmaringen bereits erledigt, dann macht so ein Zehner durchaus auch Sinn, weil man, wie Rauscher betont, den Speed nie vergessen darf. Hauptgrund ist aber die Strecke. Die mag der schnelle Mann von der Alb sehr. „Es gehört einfach dazu, dass ich immer wieder überprüfe, ob ich mich noch verbessern kann.“ Am 12. Juli wird es wieder so weit sein.
Die Überprüfung vor einem Jahr ergab 30:41 Minuten. So schnell war Silvan Rauscher zuvor noch nie unterwegs zwischen Bad Urach und Metzingen. Gewonnen hat er damit aber nicht, weil Dominik Notz schon nach 30:30 fertig war, und einmal mehr den eigenen Streckenrekord verbesserte. Der Laufkumpel und frühere Vereinskollege bei der LAV Stadtwerke Tübingen wird ihm in diesem Jahr nicht in die Quere kommen, da er sich für einen Halbmarathon entschieden hat. Jetzt hat sich allerdings ein anderer guter Bekannter für das Rennen eingeschrieben.
„Wenn Lorenz Baum mitmacht, wäre das übelst geil“, entfuhr es Rauscher. Die Meldung wurde bestätigt. Baum ist ebenfalls für die LAV am Start und freut sich, dass er den „Ex-Kollegen“ trifft. „Ich weiß gar nicht, wie lange ich ihn schon kenne. Wir sind zusammen gelaufen, wir sind gegeneinander gelaufen. Gewonnen habe ich noch nie gegen Lorenz“, verrät Silvan Rauscher. Und der Wunsch schwingt mit, dass es dafür höchste Zeit wäre.
200 Kilometer pro Woche
Rauscher hat im Hinblick auf den Marathon in Berlin (27. September) den Trainingsumfang in Höhen geschraubt, die für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. 200 Kilometer schrubbt er pro Woche weg, in einer ruhigen seien es 160. „Solche 200er-Wochen ohne Probleme wegzustecken, gibt mir einfach ein gutes Gefühl.“ In Kürze ist das Referendariat am Graf-Eberhard-Gymnasium beendet, im nächsten Jahr wird Silvan Rauscher voll ins Berufsleben einsteigen. „Dann ist es aus und ich werde Laufrentner. Wenn ich Vollzeit arbeite, sind solche Umfänge einfach nicht mehr drin. Deshalb genieße ich die Zeit jetzt“, sagt der „angehende Rentner“, der mit 27 Jahren in der Blüte seines Lauflebens steckt. Die herrschenden Temperaturen machen ihm nicht viel aus, weil ohnehin einiges in den frühen Morgenstunden erledigt wird. Longruns starten zum Beispiel um 6 Uhr. Da ist es noch nicht ganz so heiß.
Halbes Jahr Kenia
Nach dem Berlin-Marathon erfüllt sich Silvan Rauscher einen großen Traum, geht für ein halbes Jahr nach Kenia und wird sich der Trainingsgruppe von seinem Coach Willy Kosgei Bitok anschließen. Da wird, was kaum überrascht, hauptsächlich gelaufen, doch bei Rauscher kommt auch ein anderer Aspekt nicht zu kurz. Er wird an Schulen hospitieren, will sich Eindrücke verschaffen vom Leben in Kenia abseits der Laufszene.
Sollte er vor dem Ermstal-Marathon noch irgendwelche Fragen haben, wird sich Rauscher an Willy Bitok wenden, der ihm ein wertvoller Berater ist. Es ist ja aber eigentlich alles klar. Die Strecke ist bestens bekannt, wird aufgrund ihrer Topografie von vielen geliebt, weil es hauptsächlich bergab geht. Nur ist in diesem Jahr etwas anders. Silvan Rauscher wird ausnahmsweise nicht für seinen Heimatverein TSG Münsingen starten, weil das GEG aus Bad Urach zwei starke Teams ins Rennen schickt.
Da darf der schnelle Referendar natürlich nicht fehlen, der im Januar seine Zehner-Bestzeit in Valencia schon unter 30 Minuten gedrückt hat (29:49). „Ich bin guter Dinge, dass ich eine gute Zeit laufe“, lautet die Ansage. Silvan Rauscher wird im Hinblick auf den Ermstal-Marathon das Training anpassen. Eine 200er-Woche wird es im Vorfeld definitiv nicht geben. Dass zum Abschluss alle Körner verballert werden, ist indes klar.
(Wolfgang Seitz/SWP)