Silvan Rauscher und Dominik Notz laufen Fabelzeiten
Silvan Rauscher und Dominik Notz laufen Fabelzeiten
13.07.2026
Der 16. Ermstal-Marathon war eine größere Herausforderung als alle anderen zuvor. Der Veranstalter hat mit der Vorverlegung alles richtig gemacht, Läuferinnen und Läufer auch.
Man hat damit nicht gerechnet. Man konnte damit nicht rechnen, weil alle Vorzeichen, hauptsächlich das Wetter, dagegen sprachen. Dominik Notz und Silvan Rauscher haben sich im vergangenen Jahr noch über den Zehner gebattelt, jetzt ging man im Ermstal getrennte Wege. Der eine hat den Streckenrekord über zehn Kilometer in eine neue Dimension geschossen, der andere ist im Halbmarathon so verfahren. Und da wollte sich auch Sabrina Mockenhaupt-Gregor nicht lumpen lassen und hat im zarten Alter von 45 Jahren die Bestzeit über fünf Kilometer sauber nach unten gedrückt.
Zu schnell für die Anzeige
Was Silvan Rauscher angestellt hat, konnte niemand auf Anhieb nachvollziehen: Der Münsinger war so schnell, dass die Zeitanzeige im Ziel kurz in die Knie ging. Dem interessierten Reporter konnte er aber sofort auf seiner Hochleistungsuhr zeigen, dass er den Rekord von Dominik Notz aus dem vergangenen Jahr geradezu pulverisiert hatte. „Er ist der erste Mensch auf diesem Planeten, der die zehn Kilometer im Ermstal unter 30 Minuten gelaufen ist“, lobte der Streckensprecher überschwänglich. „Ich war noch nie schneller“, war auch der rasende Blondschopf komplett einverstanden mit den 29:47. „Ich habe mich richtig gut gefühlt“, strahlte der Münsinger, der zum Abschluss seines Referendariats am Graf-Eberhard-Gymnasium in Bad Urach der Schule den Sieg geschenkt hat. „Lorenz hat ein bisschen geschwächelt“, musste er dann auch noch loswerden.
Der Erwähnte, dem im Duell der Giganten etliche die Favoritenrolle zugeschoben hatten, freute sich aufrichtig für den früheren Vereinskollegen. „Silvan war heute einfach stärker. Das habe ich schon relativ früh gemerkt“, sagte Lorenz Baum, der in 30:37 noch eine tolle Zeit gelaufen ist, der beste von fünf Läufern der LAV Stadtwerke Tübingen war, die fast im Formationsflug auf den Metzinger Kelterplatz segelten. Mittendrin Anthony Tomsich, dessen 32:27 sich mehr als sehen lassen können. „Da bin ich super zufrieden“, sagte der 39-Jährige, ehe es zur Familie nach Bad Urach ins Höhenfreibad ging. Ob da der Papa auf der Liegewiese eingeschlafen ist? Ausschließen wollte er es nicht.
Hanles im Dreierpack
„Es hat Spaß gemacht, wie immer. Aber Streckenrekord ist es halt keiner“, sagte Leah Hanle – und hat dabei gestrahlt. Ihr ist es tatsächlich gelungen, dieses Mal „relativ vernünftig“ zu laufen. „Es war mit dem Trainer ausgemacht, dass ich es versuchen darf. Bei Kilometer vier wusste ich aber schon, dass es mit dem Rekord nichts werden kann. Da habe ich dann auch meinen Bruder weggeschickt.“ In 34:20 Minuten hat Leah Hanle die Frauenkonkurrenz trotzdem klar beherrscht. Ihr Bruder Simon wurde nach 33:28 als Siebter gestoppt, konnte aber nur kurz die kleine Schwester beglückwünschen, weil er sofort zurück an die Strecke wollte. Frau Nathalie war noch unterwegs und musste ins Ziel gebrüllt werden.
Im Halbmarathon hatte sich ein Zweikampf zwischen Dominik Notz (LAV Stadtwerke Tübingen) und Recep Arslan (MTV Gießen) abgezeichnet. „Zu Beginn hat er versucht, an mir dranzubleiben“, blickte Dominik Notz zurück, der aber alsbald sein Tempo gefunden hatte, von dem er dachte, dass es tatsächlich Richtung Streckenrekord weisen könnte. Dass es einer wurde, stellte sich auf den letzten Metern heraus. Einer der ersten, die es bemerkt haben, war Herbert Dobberstein vom Orga-Team der TuS Metzingen, der per Tracker genau wusste, wo Notz rannte. Der sorgte mit 1:06:39 Stunden für ungläubiges Staunen - und war dann verschwunden. Irgendetwas von „trinken“ hat er gemurmelt und musste von der Presse gesucht werden. „Die letzten Kilometer von Neuhausen bis ins Ziel waren schon extrem hart“, sagte der Dettinger, nachdem er wieder zu Kräften gekommen war. Und er lobte ausdrücklich die Radfahrer. „Die hatten es viel schwerer als sonst, waren aber laut und schnell, haben erstklassige Arbeit geleistet. Die hatten auch den Gegenverkehr im Griff.“ 1203 Zehner, 853 im Halbmarathon und 473 Teilnehmer über fünf Kilometer galt es zu bändigen.
Christian Reusch, der im vergangenen Jahr noch für die SG Dettingen gestartet war und jetzt das blaue Trikot der LAV trug, klagte am Schluss über zu viel Verkehr vor ihm beim Zieleinlauf. „Das lässt sich aber nicht vermeiden, da kann der Veranstalter ja nix machen.“ Platz drei in 1:09:54, hinter Arslan (1:09:15) waren für ihn absolut in Ordnung.
Valerie Haydt vom TSV Holzelfingen gewann den Halbmarathon der Frauen (1:22:51). Es war erst ihr zweiter und deshalb hatte sie nichts zu meckern. „Immer ruhig bleiben, immer atmen. Stress macht alles kaputt“, sagte die Psychologin über ihre Herangehensweise. Sich selbst musste sie unterwegs nicht behandeln, das hätten die Zuschauer übernommen. „Die Veranstaltung ist super organisiert“, schickte auch die 29-Jährige ein dickes Kompliment Richtung Orga-Team.
Rasanter Bergläufer
Der Erste der „Fünfer“ im Ziel war Markus Heinkel von der SG Dettingen (16:10 Minuten). „Ich komme ja vom Berglauf, habe jetzt gar nicht so viel Tempo trainiert“, gab der Dettinger zu Protokoll. Das hat er am Sonntag gemacht, und sein Coach Bernd Weis darf sich bestätigt sehen, der schon am Freitag einen Sieg Heinkels prophezeit hat. Sabrina Mockenhaupt-Gregor hatte ursprünglich vor, den Zehner und später den Fünfer zu laufen. Weil das durch die Zusammenlegung der Startzeiten nicht möglich war, wurden es die fünf Kilometer. „Der Nachteil dabei ist, dass man von Anfang an Vollgas gehen muss. Aber ich wollte mal das ganze System durchpusten“, sagte „Mocki“, die sich über den neuen Streckenrekord von 17:43 Minuten freuen konnte. Herzlich umarmte sie im Ziel die blutjunge Naema Awale von der TSG Münsingen, deren Rennen nach 18:42 Minuten auf Platz zwei beendet war. „Ich bin sehr zufrieden“, strahlte sie und zeigte sich durchaus beeindruckt vom Flair der Veranstaltung. (Wolfgang Seitz/SWP/13.07.2026)