Leah findet die Bremse nicht
Leah findet die Bremse nicht
22.06.2026
Leah Hanle ist die Seriensiegerin über die zehn Kilometer beim Ermstal-Marathon. Gerne garniert sie das mit Streckenrekorden. Einen neuen Anlauf nimmt sie am 12. Juli.
So ein Trainer hat es auch nicht immer leicht. Jürgen Kerl betreut Leah Hanle in seiner Trainingsgruppe beim Tomerdinger LV. Und die Holzelfingerin ist sehr zufrieden mit seiner Arbeit, macht aber nicht alles, was der Coach von ihr verlangt. „Zwei Wochen vor der Deutschen Meisterschaft wäre es ihm sicher am liebsten, wenn ich beim Ermstal-Marathon gar nicht rennen würde.“ Das hat ihm die energische junge Dame gleich mal ausgeredet. Weil Ermstal-Marathon muss sein. Bliebe noch die Frage des Tempos zu klären.
„Ich würde schon gerne Vollgas laufen“, sinniert das Energiebündel von der Alb. Die Gegenfrage kommt vom Pressemann: „Kannst Du überhaupt anders?“ Es falle ihr zumindest sehr schwer, gibt die 28-Jährige zu. „Nicht einmal bei einem Firmenlauf kann ich mich zurückhalten.“ Dann klappt das auf ihrer Lieblingsstrecke im Ermstal erst recht nicht. Als erste Frau will Leah Hanle auf alle Fälle ins Ziel kommen. Zumindest darauf hat man sich mal grob verständigt. Seit 2022 hat sich da ja schon eine gewisse Tradition entwickelt.
Die vier Siege werden flankiert von drei Streckenrekorden, nur 2024 hat es nicht ganz gereicht. Dafür im vergangenen Jahr umso besser. Da sollte die Marke von 34 Minuten fallen. Das hat prima funktioniert (33:55), weil sich Leah Hanle unterwegs ein paar Jungs als Eskorte geschnappt hat. Der Münsinger Raphael Lange hat sie final ins Ziel „gezogen“. Ihr Dank war ihm gewiss.
Immer dabei ist auch Bruder Simon. „Ich laufe mit niemandem lieber. Wir können uns ohne Worte motivieren“, sagt die kleine Schwester, die pro Woche auf zehn Trainingseinheiten kommt. Beim lockeren Mittagslauf durch Reutlingen, anstatt einer Mittagspause, muss Simon nicht dabei sein. Wenn es aber darauf ankommt, im Intervalltraining an der Form zu schleifen, fehlt der Fußballer definitiv nicht, der in der nächsten Saison Co-Trainer beim SV Zainingen wird. Prognose: Der Absteiger wird sich in der Kreisliga A1 sehr laufstark präsentieren.
Verstärkung von den „Mockis“
Obwohl man den Tomerdinger LV als neue sportliche Heimat vermuten könnte, läuft Leah Hanle weiterhin für den TSV Holzelfingen, und der bekommt für den Ermstal-Marathon prominenten Zuwachs. Sabrina Mockenhaupt-Gregor, ebenfalls in Kerls Tomerdinger Laufteam integriert, startet samt Zwillingsbruder Markus für den Heimatverein der Hanles. Das Duo hat sich sowohl für den Zehner als auch für den Fünfer eingeschrieben. „Mocki wollte, dass ich da mitziehe. Ansonsten bin ich für solche Sachen ja immer zu haben, aber das wäre kurz vor der DM dann doch zu heftig“, sagt die Umworbene. Jürgen Kerl wird es mit Freuden lesen.
Ihr gehe es sehr gut, sie sei von Verletzungen verschont geblieben, um dann lachend folgende Problemzonen aufzuzählen: Achillessehne, Fersensporn, Knie und Hüfte. Das sagt jemand, der im besten Laufalter ist. Leah Hanles Motto: „Da muss man bissle durch.“ Das musste sie auch am Wochenende bei der Vienna Track Night. Mit den Eltern war sie nach Wien gereist, 5000 Meter auf der Bahn standen an, Platz zwei hat sie in ihrem Rennen belegt. Am knallheißen Freitagnachmittag wurde selbstverständlich trainiert und danach bestens gelaunt mit der Presse telefoniert. Hitze macht Leah Hanle gar nichts aus. 30 Grad wünscht sie sich für den Ermstal-Marathon – mindestens. Dann wird sie zwischen Bad Urach und Metzingen wieder alle Körner verballern. Halbgas ist ja nicht so ihr Ding.
(Wolfgang Seitz/SWP)